Herbst002

Weinproduktion


Weine, Produktion und Verkauf

Bis Mitte des letzten Jahrhunderts wurde der Wein von den Rebleuten selber produziert. Jeweils 4- bis 6 Besitzer teilten sich ein Trottgebäude mit einer Baumpresse. Eine dieser ehemaligen Pressen ist in den Besitz der Zunft Riesbach gelangt und wird von dieser regelmässig am Züricher Sechseläutenumzug mitgeführt. Der gepresste Wein ist vom Trottmeister anteilsmässig an die Traubenproduzenten verteilt worden und von diesen in den recht grosszügigen Weinkellern ihrer Riegelhäuser eingelagert und ausgebaut worden. Der grösste Teil der trinkfertigen Weine gelangte fassweise an die Wirtshäuser der näheren Umgebung, teilweise aber auch über die Landesgrenze hinaus in Gebiete ohne eigenen Weinbau. Nicht zu unterschätzen der Eigenverbrauch: Wein war keineswegs wie heute ein Luxusgetränk, sondern als einziges haltbares, hygienisches Getränk ein Grundnahrungsmittel, das manchmal mit Zuckerwasser verdünnt schon den Kindern abgegeben wurde.

Im Zuge der Industrialisierung veränderte sich auch die Weinproduktion. Die Rebleute verkauften fortan ihre Trauben an Genossenschaften und Handelsbetriebe, welche mit ihrer modernen Kellertechnik wesentlich bessere Weinqualitäten erzielten. Die Kellereien VOLG, USEGO und die Zürcher Staatskellerei kauften bis Ende 20. Jahrhundert praktisch die gesamte Rudolfinger Traubenernte auf. Rudolfinger Wein genoss einen hervorragenden Ruf und war im Sortiment der Weinhändler die am raschesten ausverkaufte Provenienz.

Ab Ende der 80er Jahre verschlechterte sich der Absatz einheimischer Weine bei den Grossproduzenten zusehends. Die Traubenpreise wurden nicht mehr der Teuerung angepasst und gingen schliesslich sogar zurück.
In dieser Situation begannen immer mehr Traubenproduzenten mit der Selbstvermarktung ihrer Weine, die sie bei einem Selbstkelterer oder ihrem Traubenkäufer keltern lassen.
Nach wie vor sind jedoch die VOLG – Kellereien und die Caves Mövenpick, welche die Staatskellerei übernahmen, die grössten Traubenaufkäufer in Rudolfingen.